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14. 05. 2013

Leadership kann man nicht delegieren. Auch nicht an die Personalabteilung.

Franz Kühmayer

Frank Kohl-Boas, Google's Personalchef für den deutschsprachigen Raum und Skandinavien, gab im Rahmen der Konferenz "Fast Forward" Einblicke in die Führungskultur des Internet-Giganten. Ein zentrales Statement dabei: "Wenn Sie Leadership als Hierarchie-Level verstehen, machen Sie etwas grundfalsch".

Führungsverantwortung ist eben keine auf wenige Manager konzentrierbare Aufgabenstellung mehr, sondern eine Haltungsfrage, die Mitarbeiter auf allen Stufen des Unternehmens erfassen muss. Sie bedeutet ein Übertragen und Entgegennehmen von Verantwortung für den jeweiligen Aufgabenbereich in seiner ganzen Bandbreite - von Ergebnisorientierung bis zum gelebten Wertebild.

Und es stimmt: Wenn wir davon ausgehen, dass Routineaufgaben in der Zukunft der Arbeit zunehmend von projektorientierten, weitgehend selbständig gesteuerten Aufgaben abgelöst werden, dann ändert sich die Rolle nicht nur der Führungskraft, sondern aller Mitarbeiter. Intrapreneurship wird das vielfach genannt: Auch Mitarbeiter eines Konzerns sollen sich möglichst so verhalten, als ob sie selbst Unternehmer wären.

Dazu gehören natürlich zwei Seiten: Einerseits Führungskräfte, die dazu bereit sind, Ihre Mitarbeiter entsprechend zu behandeln, ihnen Freiräume zu gewähren, Bürokratie möglichst zurückdrängen, Fehlertoleranz voranstellen und zielorientiert agieren.

Aber funktioniert auch die andere Seite? Sind Mitarbeiter dazu wirklich bereit? Die Antwort darauf hat viel mit dem Menschenbild zu tun, das man sich zurechtgelegt hat. Ich bin überzeugt davon: Menschen sind grundsätzlich dazu bereit, Verantwortung zu übernehmen - die Frage ist, in welche Rollen sie gedrängt werden, sobald sie die Bürotür durchschreiten. Meine Beobachtung dazu: Just jene Mitarbeiter, von denen manche Führungskraft glaubt, man müsse ihnen jeden Punkt und Beistrich vorschreiben, weil sie nicht selbständig arbeiten könnten, werden genau zu Büroschluss zu verantwortungsvollen und lösungsorientierten Menschen - und bauen privat ein Haus, engagieren sich in einem Verein oder gehen einem kreativen Hobby nach. Ändert sich der Mensch mit dem Signal der Werkssirene? Nein, aber in manchen Umgebungen blühen wir auf und bringen uns ein, in anderen Umgebungen verkümmern wir. Die Aufgabe für die Zukunft der Arbeit besteht also darin, ein Umfeld zu schaffen, in dem möglichst viele Menschen aufblühen und gerne und begeistert arbeiten - eben Leadership für ihren Bereich übernehmen. Natürlich fällt eine solche Haltung in Unternehmen leichter, die von vornherein auf einem derartigen Wertebild aufgebaut sind, während sehr traditionell geprägte Kulturen teilweise hohen Change-Aufwand vor sich sehen, bis sie auch so "ticken".

Kann man die Personalabteilung in die Pflicht nehmen, einen solchen Wandel voranzutreiben? Jein. Es ist ganz klar Verantwortung von HR, die geeigneten Prozesse, Werkzeuge und Instrumente zur Verfügung zu stellen, um eine zukunftssichere Kultur zu gewährleisten. Und es ist auch Verantwortung von HR, sehr kritisch und fordernd auf die Geschäftsleitung einzuwirken, dass sich eine solche Kultur auf Dauer etabliert. Aber es ist und bleibt erste Verantwortung jeder einzelnen Führungskraft, Personalarbeit zu leisten. Das beginnt beim Hiring, zieht sich durch alle Facetten der Arbeit mit Mitarbeitern durch, und beinhaltet selbstverständlich kulturprägende Aspekte. Wer, wenn nicht der direkte Manager, prägt die Unternehmenskultur? Wer, wenn nicht der Fachvorgesetzte, bestimmt das Intrapreneurship-Umfeld der einzelnen Mitarbeiter. "Die Personalabteilung ist nicht der Clown der Firma", sagte Frank Kohl-Boas im Rahmen von Fast Forward. Ein Schritt weiter gedacht: Sie ist auch nicht der Change-Manager der Firma - denn Leadership läßt sich nicht delegieren, auch nicht an HR.

Franz Kühmayer ist geschäftsführender Gesellschafter des Managementberatung KSPM, die sich auf „Future of Work" spezialisiert hat. KSPM ist richtungsweisend darin, zukunftsorientierte Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit in Unternehmen einzuführen und begleitet führende Unternehmen in ganz Europa auf ihrem Weg in die "Neue Welt der Arbeit". Link: www.kspm.at