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29. 05. 2013

Das Nicht-Normale wird zur Norm.

Franz Kühmayer

Die Förderung unternehmensinterner Diversity wandelt sich von der CSR-Alibi-Maßnahme zum zentralen Management der unterschiedlichen Arbeitsstile.

Dass Herangehensweisen an Arbeit je nach Lebensalter unterschiedlich sind, ist nichts Neues - vielleicht greift der generationsbedingte Wandel aber künftig tiefer als je zuvor. Dabei spielt der technologische Fortschritt eine Rolle, aber auch ein wachsendes Selbstverständnis der jungen Talente. In einer aktuellen Studie des Netzwerk-Spezialisten Cisco haben 3 von 5 Studenten angegeben, dass sie gegenüber ihrem künftigen Arbeitgeber explizit Anspruch auf flexible Arbeitszeiten und -orte erheben (damit einher geht, dass 70% der Befragten der Meinung sind, ständig im Büro zu sein sei unnötig).

Weiter gedacht: Die künftigen Arbeitnehmer haben neue Erwartungshaltungen. Sie gehen  ganz selbstverständlich davon aus, dass es okay ist, im Büro auch private Webseiten zu benutzen und umgekehrt, dass sie ihre Arbeit von überall und jederzeit erledigen können. Und sie gehen ebenso selbstverständlich davon aus, dass die Einstellungen und Haltungen, die sozialen Medien zugrunde liegen, gelebtes Wertbild im Unternehmen sind: Transparenz, offene Feedbackkultur, fließender Informations- und Wissensaustausch, Kooperationsbereitschaft.

All das ist keineswegs gängig in Österreichs Unternehmen. Überspitzt könnte man konstatieren: Die junge Arbeitskräftegeneration, die im Lauf der nächsten Jahre nach und nach in die Unternehmen strömen wird, trifft beim Eintritt ins Berufsleben auf tradierte Unternehmenskulturen, in denen behäbige Hierarchiestrukturen, enge Job Descriptions und formal ausgefeilte Dienstwege vorherrschen - und erlebt einen Kulturschock. So wie auch die Unternehmen selbst unter Schock stehen: Situatives Führen schön und gut, aber diese bunte Vielfalt unter einen Hut zu bringen, ist dann doch eine enorme Herausforderung. Denn nicht nur entlang der Altersgrenzen offenbaren sich unterschiedliche Arbeitsstile.

Die Vielfalt ergibt sich aus der Unterschiedlichkeit der Menschen selbst - ihren Erfahrungen, ihren Hintergründen und Wertebildern. Im Industriezeitalter wurde das als Problem eingeschätzt, dem man mit feigenblattartigen Diversity-Programme beikommen wollte. Doch die gestern noch problematische bunte Mischung an Arbeitsstilen wird morgen eindeutig zur Zukunftschance. War am klassischen Fließband Individualität unerwünscht, weil es im Kern um Fehlerlosigkeit und konformes Funktionieren ging, so sind dies im Zeitalter der Kreativökonomie keine gültigen Maßstäbe mehr. Im Gegenteil.

Die Wirtschaft von morgen braucht vielschichtige Lösungen und daher ebenso vielschichtig geprägte Mitarbeiter. Neue Lösungen zu finden und Kreativität zu leben, setzt Unterschiedlichkeit geradezu voraus, und zwar in allen denkbaren Dimensionen. So werden Menschen mit Migrationshintergrund künftig nicht nur als Demografielückenbüßer notwendig, sondern essenzieller Erfolgsbaustein einer global und interkulturell agierenden Wirtschaft. Generationenübergreifende Arbeitswelten verbinden die Kompetenzen der Jungen mit der Erfahrung der Seniors. Weibliche Führunsgprinzipien wie Empathie, Kooperation und soziale Kompetenz werden zentrale Merkmale einer dienstleistungsorientierten Ausrichtung (nicht zuletzt deswegen weisen Unternehmen mit Frauen in Toppositionen oft eine bessere wirtschaftliche Performance auf als solche mit rein männlichen Führungsteams.). Herkunft, Alter, Geschlecht - Vielfalt überall.

Daher: Vielfalt im Unternehmen zu haben, ihr einen angemessenen Freiraum zu geben und dennoch für Zusammenarbeit sorgen zu können - das wird zur entscheidenden Diversity-Kompetenz der Zukunft.

Franz Kühmayer ist geschäftsführender Gesellschafter des Managementberatung KSPM, die sich auf „Future of Work" spezialisiert hat. KSPM ist richtungsweisend darin, zukunftsorientierte Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit in Unternehmen einzuführen und begleitet führende Unternehmen in ganz Europa auf ihrem Weg in die "Neue Welt der Arbeit". Link: www.kspm.at