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15. 10. 2013

Spielerisch Lernen.

Spielerisch Lernen - Franz Kühmayer

Lernen kann Freude machen. Wirklich! Und je mehr Freude wir dabei empfinden, umso besser lernen wir. Diese Erkenntnis macht sich Serious Gaming zunutze, immer öfter auch im Unternehmenseinsatz.

Dass Lernen und Vergnügen nichts miteinander zu tun haben, ist eine fahrlässige Behauptung, die uns erst an unserem ersten Schultag eingebläut wird: "Jetzt fängt der Ernst des Lebens an." Es mag schon sein, dass das österreichische Bildungssystem nicht immer eine vergnügliche Erfahrung für seine Mitwirkenden ist, Indizien dafür gibt es jedenfalls genug. Aber deswegen gleich die Freude am Lernen verlieren? Dazu besteht kein Anlass, im Gegenteil.

In einer Wirtschaftslandschaft, die von der Notwendigkeit zu ständigem und lebenslangem Lernen gekennzeichnet ist, ist die Frage nach zukunftsorientierten Lernkonzepten überaus legitim. Und das bedeutet eben auch, nicht nur über Didaktik nachzudenken, sondern auch über die motivatorischen Faktoren, die uns gerne und begeistert lernen lassen.

Denn auch in der Praxis der Weiterbildung für Erwachsene sitzen althergebrachte Vorstellungen von Lernumgebungen und Lernsituationen fest. Lernen im beruflichen Kontext wird vielfach auf zwei Geschmacksrichtungen reduziert: Formales Lernen in Frontalunterricht-Settings (gerne eingesetzt für die Vermittlung von faktenorientiertem Wissen) oder Workshops mit Outdoor- oder Indoor-Charakter (vornehmlich für die Vermittlung der sogenannten Soft Skills verwendet). Doch Bilanzlesen kann man auch ohne staubtrockene Vorlesungen lernen und Teamwork ohne gemeinsames Rafting-Seminar.

Lernen findet auf wesentlich vielfältigere Weise statt und umfasst die gesamte Bandbreite unserer Wahrnehmungsfähigkeiten, und auch eine größere Fülle an zugrundeliegenden Organisationskonzepten. Dazu zählt eine breite Palette an Lernformen: eLearning, Blended Learning, Remote & Distance Learning, Simulationen, Fallstudien, Multimediales Lernen, u.v.m.

Und eben auch spielerisches Lernen. Denn: "Spielen ist die natürlichste und menschlichste Weise, Neues zu lernen." Das sagt einer, der's wissen muss: Jörg Hofstätter, Geschäftsführer der für ihre Lernspiele international ausgezeichneten Agentur OVOS und gleichzeitig Vorstand der Initiative "Gaming with a purpose". Er beschäftigt sich damit, welchen Beitrag die Motivationsmaschinen Computerspiele zur Wissensvermittlung im 21.Jahrhundert leisten können. Dazu gehört eine packende Story, eine Dramaturgie, ein Anreizsystem, Kommunikation- & Zusammenarbeit mit anderen Spielern und vieles mehr.

In unserer Arbeit mit Führungskräften sind wir auf folgende Anekdote gestoßen: Ein Personalmanager berichtet von einem Vorstellungsgespräch mit einem Jugendlichen. Die ersten zwei Drittel des Interviews laufen entlang der üblichen Bahnen: Was sind Ihre Stärken, sind Sie ein Teamplayer, wo wollen Sie in 5 Jahren sein, usw. Dann fragt der Personaler den Bewerber, was er in seiner Freizeit so macht. Und der junge Mann berichtet, er spielt gerne World of Warcraft. Und erzählt davon, wie er eine Gilde aus anderen Spielern anführt, die er nur online kennt; wie sie sich gemeinsam Ziele setzen und Strategien ableiten und wie sie sich untereinander austauschen. "In diesem Moment", so sagte uns der Recruiter, "wurde mir klar, was der Bewerber kann: Virtuelle Teams zusammenstellen und leiten, Projekte managen, online kommunizieren und zusammenarbeiten. Genau das sind Kompetenzen, die wir suchen." Nun ist WoW sicherlich kein Lernspiel, und die Lernerfahrungen damit mögen im harten Firmenalltag nicht standhalten. Aber es zeigt sich das Prinzip hinter Serious Gaming: Wir lernen am Besten, wenn wir Spaß daran haben, etwas Neues zu entdecken. Und wenn wir gar nicht merken, dass wir gerade etwas lernen sollen.

Spielerisches Lernen erfüllt diese Bedingungen. Und noch mehr: Einhergehend mit der zunehmenden Individualisierung von Lebens- und Arbeitsstilen gewinnt Selbstorganisation auch im Lernen zunehmend an Bedeutung. Wer etwas lernen will, begibt sich nicht mehr in die Konsumhaltung des Schülers, dem von einer Lehrkraft oder einem Trainer etwas vorgekaut wird, sondern gestaltet seine Lernerfahrungen auf konstruktivistische Art und Weise entlang eines lose vordefinierten Pfades in einem hohen Maß an Eigenverantwortung. Aus dem Schüler, dem etwas eingetrichtert wurde, wird der Forscher, der selbständig Neues entdeckt und für sich gewinnt. Die Fähigkeit dazu muss allerdings entwickelt und unterstützt werden, und ist stark von den Rahmenbedingungen abhängig. Serious Gaming stellt dazu einen guten Nährboden bereit.

Franz Kühmayer ist geschäftsführender Gesellschafter des Managementberatung KSPM, die sich auf „Future of Work" spezialisiert hat. KSPM ist richtungsweisend darin, zukunftsorientierte Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit in Unternehmen einzuführen und begleitet führende Unternehmen in ganz Europa auf ihrem Weg in die "Neue Welt der Arbeit". Link: www.kspm.at