08.06.2021
 

Augmented Intelligence – Wie Augmented-Reality-Lösungen KI nutzbar machen können

Die Digitalisierung ist nicht länger nur Trend-Thema, sondern spätestens seit der aktuellen Pandemie ein fester Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens. Darüber hinaus kommen auch industrielle Arbeitsprozesse kaum mehr ohne digitale Unterstützung aus - entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wem dabei zuerst menschenleere und hochtechnologisierte Industriehallen in den Sinn kommen, den können wir beruhigen. Menschliche Arbeiter werden nicht überflüssig. Sie sind weiterhin ein unverzichtbarer Teil vielfältiger Prozesse und werden in ihrer Arbeitsweise zukünftig nur effizienter werden – mit der Unterstützung von Augmented Reality und dem Internet of Things.

Brüche zwischen der digitalen und der physischen Welt sind in industriellen Prozessen immer noch immanent. Die Verbindung dieser beiden Welten birgt jedoch ungeahntes Potential, was in der gesamten Digitalisierungsdiskussion mitunter unzureichend beleuchtet wird. Es ist keine Entscheidung zwischen menschlichen Facharbeitern oder Maschinen, sondern vielmehr ein Hybridansatz, der als Augmented Intelligence beschrieben werden kann.

Internet of Things-Technologien ermöglichen es Maschinen ortsunabhängig miteinander zu vernetzen. Im Zuge der Digitalisierung ist die Konnektivität von Maschinen eine Grundvoraussetzung für moderne Prozesse. Diese vernetzten Maschinen liefern in Echtzeit Daten, die von Systemen zentral analysiert werden können und unter anderem maschinelle Lernprozesse vorantreiben. In der Ausführung von Prozessen werden allerdings weiterhin menschliche Facharbeiter gebraucht. Zum jetzigen Zeitpunkt und auch in der absehbaren Zukunft hat Technologie und im speziellen die künstliche Intelligenz (KI) einen nicht zu unterschätzenden Schwachpunkt – ihr fehlt die menschliche Komponente - die Fähigkeit die Daten auch tatsächlich nutzbar zu machen und situativ Entscheidungen treffen zu können.


Mit Wearable-Computing-Lösungen KI-Daten nutzbar machen

Es geht also um die Verknüpfung des menschlichen Facharbeiters und seiner smarten maschinellen Kollegen. Anders als bei der KI wird menschliche Arbeit hier nicht ersetzt, sondern unterstützt und erweitert. Kognitive Entscheidungsprozesse werden durch Datenanalysen und Auswertungen erleichtert und beschleunigt. Die künstliche Intelligenz analysiert dabei große, vom Menschen kaum erfassbare Datenmengen und zeigt dem Anwender gefundene Muster und Ergebnisse auf, ohne diese aber konkret zu interpretieren. Diese Aufgabe fällt dem Benutzer zu, der seine eigenen Schlüsse aus den gefundenen Datenmustern ziehen kann. 

In Verbindung mit Wearable-Computing-Lösungen hat der Mensch Zugriff auf diese digitalen Entscheidungshilfen der KI und kann sie aktiv in seinen Arbeitsprozess einbinden. Sogenannte Smart Glasses oder Datenbrillen, die zu den Wearables gehören, sind vollends in manuelle Prozesse eingebettet und äußerst flexibel einsetzbar, da sie direkt am Körper getragen werden. Direkt im Sichtfeld zeigen sie per Augmented Reality Nutzern kontextrelevante Informationen an. Gleichzeitig bleiben beide Hände der Arbeiter für die manuellen Arbeitsschritte frei. Dank dieser Erleichterungen konnten sie sich in den letzten Jahren im industriellen Umfeld mehr und mehr etablieren.

Wearables haben im industriellen Umfeld bereits eine Vielzahl von Einsatzfeldern, die Use Cases nehmen seit Jahren rasant zu. Denn ein großer Vorteil von Wearable-Computing ist, dass die Geräte permanent Daten sammeln, diese in Echtzeit auswerten und dann dem Facharbeiter aufbereitet zur Verfügung stellen können. Hier sind nicht nur wirtschaftliche Daten zur Prozessoptimierung zu nennen, sondern auch arbeitsschutzrelevante Daten, die helfen, bestimmte Prozesse in Bezug auf Sicherheit, Ergonomie und Fehlhaltungen zu optimieren. Der deutsche Kranhersteller Liebherr setzt Smart Glasses beispielsweise ein, um Sicherheitsrisiken im Arbeitseinsatz zu minimieren. Zuvor mussten die Kranführer sowohl die Ladung und die Umgebung als auch die Daten der Maschinensensoren auf einem externen Display im Auge behalten. Durch den Einsatz von Smart Glasses können die Maschineninformationen nun direkt im Blickfeld zur Verfügung gestellt werden. Somit können sich die Kranführer vollständig auf die Ladung und die Umgebung fokussieren. 

Ein weiteres Beispiel ist die intelligente Bilderkennung. Datenbrillen können Machine-Learning-gestützt beispielsweise die Ist- und Soll-Zustände von gefertigten Produkten miteinander vergleichen. Bei der Herstellung von Lebensmitteln kann erkannt werden, ob Mitarbeiter ihre vorgeschriebenen Handschuhe tragen. Diese Anwendung sichert die Qualitätskontrolle zusätzlich ab und vermeidet Fehler.

Besonders im Wartungsbereich ist AI ein echter Game Changer: Bei der Predictive Maintenance führt die Auswertung maschineneigener Daten dazu, dass Wartungen termingenau stattfinden. Über IoT-Sensorik erkennt das System, wenn eine Wartung notwendig wird und kann auch bestimmen, zu welchem Zeitpunkt eine Wartung besonders günstig ist im laufenden Betrieb. Dadurch wird unter anderem verhindert, dass ein übermäßiger Verschleiß beispielsweise zu einem größeren Ausfall führt. Die Anleitung im Wartungsprozess inklusive der Interpretationsvorlagen bestimmter Daten können dann wiederum über die Datenbrille wiedergegeben werden. 

 

Ein Blick in die Zukunft

Wo große Mengen an strukturierten oder unstrukturierten Daten vorliegen, ist KI wesentlich schneller und auch zuverlässiger, ein Problem zu analysieren als der Mensch es ist. Doch die Entscheidungshoheit über die Gestaltung der meisten Prozesse liegt noch immer beim Arbeiter. Indem der Mensch per Wearable Zugriff auf die KI-gestützten Daten genau dann bekommt, wenn er sie benötigt, entstehen Mehrwerte sowohl für Arbeitnehmer als auch für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. 

Augmented Intelligence kann dazu beitragen, dass die Grenze zwischen digitalen und physikalischen Arbeitsabläufen verschwimmt. Wie bei jeder Einführung einer neuen Technologie ist es auch bei der Einführung und produktiven Anwendung von künstlicher Intelligenz in Unternehmen eine große Herausforderung, die Mitarbeiter nicht abzuhängen. Wearable-Computing-Lösungen sind hier eine gelungene Brückentechnologie, da die Nutzung im Kern schon bekannt ist. Zusätzlich lassen sie sich innerhalb kürzester Zeit in Unternehmen einführen und können auch in der aktuellen Krise Linderung von Engpässen schaffen und Arbeiter unterstützen.

Neue Technologien nehmen somit menschlichen Facharbeitern nicht die Arbeit weg. Vielmehr werden durch Technologien neue Potenziale für Menschen geschaffen und deren Arbeitsplätze langfristig gesichert. Der Ansatz von Augmented Intelligence, künstliche Intelligenz mit Wearable Computing zu verbinden und somit eine Verbindung von maschinellen und menschlichen Stärken zu schaffen, vergrößert die Leistungsfähigkeit von Arbeitern in der Industrie durch erhöhte Effizienz und verbesserte Ergonomie schlagartig. Gepaart mit der Vernetzung von Maschinen über das Internet of Things entsteht so ein Internet of Humans, in dem Menschen über Wearables Daten sammeln, die von Maschinen ausgewertet und deren Ergebnisse in Echtzeit verfügbar gemacht werden.

In der Verknüpfung dieser vielfältigen Technologien liegt die Zukunft der Industrie. 

Von: Friederike Truthe, Solution Marketing Managerin, TeamViewer

Fotocredit: TeamViewer

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